Die Entwicklung der Unterkleidung in der Belle-Epoque

Abschied von der Tournüre

Turnüren, Bild: "Extrem beauty-the body transformed", The Metropolitan Museum of Art, 2001

Für die verschiedenartigen neuen Kleider gab es zahlreiche Unterkleider und Korsette – die jeweils die raschen Veränderungen der Silhouette erst ermöglichten.

Ab Ende der 1860er Jahre wurden die Röcke über dem Gesäss immer bauschiger und vorne flach. Diese Silhouette wurde durch eine Konstruktion unterstützt, die als Tournüre bekannt wurde.

Die Tournüre umschloss nicht mehr den ganzen Unterleib, sondern ermöglichte es, den Rock  nur noch über dem Gäsess mit Hilfe von Halbgestellen aus Stahl, Fischbein und/oder Rosshaar aufzubauschen. Zwischen 1874 und 1876 verschwanden die Drapierungen des oberen Rockes,  le pouf genannt, der Jupe-Unterbau bleibt jedoch erhalten und wurde aufgrund der roten Farbe des Stoffes und sich abzeichnenden Stahlfedern “ Krebsschwanz“ (Queue d‘ ecrevisse)  genannt. Nach einer Pause um 1880 kehrte die Tournüre um 1883 als „zweite Tournüre“ wieder und nahm noch einmal grosse Dimensionen an, um gegen 1890 endgültig zu verschwinden.

 Neue Rafinesse

Werbung aus "Magasins du Louvre 1908-1909", in:Anne Zazzo "Lingerie - Collection Heine"

Nach einer langen Zeit der Bescheidenheit und Zurückhaltung , während der die Wäsche weiss, frisch, aber,  zumindest für eine „femme comme il fault“, ohne grosse Ausschweifung  sein musste, entwickelte die Lingerie in der Belle Epoque eine neue Raffinesse. Die weiblichen Dessous werden nun aus feinem Batist und Seide gefertigt – und mit Spitze und Stickerei verziert. Oft kam eine durchbrochene trou-trous  Spitze zum Einsatz, in die Satinbänder eingeflochten wurden.

"Lingerie parisienne" ca. 1905-1910, Sammlung: Beata Sievi

Cache-Corset, weite Unterhose und der große Kostüm – Unterrock (jupon-costume), welcher dem oberen Jupe die Form verlieh, waren die wichtigsten Bestandteile der verborgenen weiblichen Garderobe.

Da die Tournüre und der Cul de Paris gegen 1890 verschwanden und der Rock zunehmend oben schmal und unten sehr weit sein musste, besetzte man dafür die Unterröcke ab der Wade mit zahlreichen Volants. Diese wurden  neuerdings häufig in verschiedenen Farben gehalten.

Jupon, "Lingerie parisienne" ca. 1905-1910, Sammlung: Beata Sievi

Als eine Ergänzung des seidenen Unterrocks wurde auch der Rock mit Seide gefüttert. Nicht nur schwere Tuchstoffe wurden ganz auf Seide gearbeitet, sondern auch leichte Wolle, Halbwolle und sogar Wachsstoffe. Später hielt man es für angebracht, für das Futter eher einen spröden Taft zu wählen, dessen Reibung am Jupon ein charakteristisches Geräusch  hervorrief, weshalb die Unterröcke „Froufrou“ genannt wurden.

Unter einem raffinierten  Jupon wurde ein einfacher  jupon discret in Weiss getragen.

Combinaison-Culotte aus "Lingerie Parisienne" ca. 1905-1910, Sammlung: Beata Sievi

Zu den Neuerfindungen gehörte eine Kombination aus einem kurzen und einem längeren Unterrock (Combinaison-Jupon  ) oder einem Unterrock und einer Unterhose (Combinaison-Culotte).

Als Nachtwäsche trug die Dame eine camisole, später chemise de nuit genannt, deren Linien sich zunächst an den Empire Stil später an orientalische Kostüme anlehnten.

 Neue Korsettformen

Bild aus der Zeitschrift " Le dessous elegantes" 1906

Mit der Erfindung der Stahlösen im Jahre 1829 liess sich die Figur mit Hilfe des Korsetts noch effektiver in Form bringen. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts betrachteten die Frauen Korsetts weiterhin als wichtigsten Bestand­teil ihrer Garderobe. Um die  modische S-Kurve in der Silhouette zu erzeugen gab es seit 1900 ein neues Korsett – « Sans ventre » – ohne Bauch genannt. Ein leichtes, nur aus Bändern gefertigtes Ribbonkorsett hingegen wurde  vor allem bei sportlichen Aktivitäten getragen. Nach 1905 waren vorwiegend nur noch lange Hüftgürtel und die ersten Büstenhalter gefragt.

Ribbonkorsett, Werbung aus der Zeitschrift "Delineator"

Copyright © Beata Sievi und http://www.belleepoquecouture.wordpress.com 2011

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~ von beatasievi - Dezember 11, 2011.

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