Belle Epoque Mode – Artikel von Beata Sievi

L.Sabattier - Pariser Eleganz auf dem Turfplatz von Longchamp

Allgemeine Tendenzen und Kleideretiquette

Die Zeit zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges , genau genommen die Jahre 1990 – 1914 wird  „Belle Epoque“  genannt.

Die Atmosphäre des Übergangs und Hoffnungen auf das neue Jahrhundert und schnelle Veränderungen im gesellschaftlichen und kulturellen Leben prägen die Epoque. Die Damenmode durchläuft mehrere Änderungen des Stils. Innert 25 Jahren vollzieht sich der Wandel von der Sanduhrsilhouette, über die Jugendstil geprägte S-Linie bis zu vollkommen natürlichen Linien des weiblichen Körpers. Nach der Jahrhundertmitte verbesserten sich, dank der Industrialisierung, die Lebensbedingungen für einen gewissen Teil der Gesellschaft. Die reiche Bourgeoisie sucht sich mittels Mode und Kleider und Etiquette von den arbeitenden Klassen abzuheben. Die neuen Sitten verlangten von den Frauen, sieben- bis achtmal am Tag ihre Kleider zu wechseln. Die neuen Kleiderbezeichnungen geben an, zu welchen Gelegen­heiten Damen sich umziehen mussten: Morgenkleid, Teekleid, Besuchskleid (Visite), Abendkleid, Ballkleid, Hauskleid und das Nachthemd. Der englische Couturier Charles Frederick Worth kommt dem Bedürfnis der reichen Gesellschaftsschichten nach Luxus entgegen und legt die Grundlagen für das bis heute bestehende Haute-Couture-System. Er eröffnet 1857 sein Haus in Paris und führt als erster die Vorführungen der saisonalen Kollektionen mit  Mannequins durch. Es folgen ihm Jaques Ducet,  Madame Paquin und Soeurs Callot.

S-Linien-Korsetts und die neue Rafinesse der Unterwäsche

"Hauptsache" - Bild von Ferdinand von Reznicek

Die Unterwäsche gewinnt nach der langen Zeit der Zurückhaltung eine neue Raffinesse – die weiblichen Dessous aus feinem Batist und Seide gefertigt, werden nun mit Rüschen, Volants und Spitzen verziert. Die verschiedenen Unterkleider – und Korsetts – dienten jeweils dazu, die raschen Veränderungen der Silhouette zu erzeugen. Um 1890 verschwindet die Turnüre und  der Rock beginnt sich zu längen, und schon im Jahr 1892 taucht auch beim Strassenkleid die Schleppe auf. Der Rock setzt an der Taille glatt und faltenlos an, damit der Eindruck der Figur schlank blieb – wird aber unten weit und glockig.

Freizeit- und Sportkleidung

La Mode National 1895

Der Lebensstandard verbessert sich für einige Schichten so merklich, dass die Menschen mehr Zeit für Freizeitaktivitäten haben. Es entstehen Kleider zum Reisen und Reit-, Jagd- und Tennisklei­dung für Damen und Herren. Eine Neuerfindung im Jahre 1880 sind Pumphosen zum Fahrradfahren, die von der Frauenrechtlerin Amelia Jenks Bloomer propagiert werden und in Folge als „Bloomers“ in die Modegeschichte eingehen. Die steigende Zahl gut ausgebildeter, berufstätiger Frauen, als auch die Verbreitung des Automobils führen einen ganz neuen Lebensstil herbei. Die aufkommenden Schneiderkostüme sichern den aktiven Frauen dieser Zeit ein gewisses Mass an Funktionalität in der Alltagskleidung.

Paul Poiret und Abkher vom Korsett

Entwürfe von Paul Poiret

Bekannte Modeschöpfer versuchen auch nach der Jahrhundertwende an der Synthese der Schönheit und Opulenz festzuhalten.  Doch die Frauen unterwerfen sich nur am Abend dem Diktat des Korsetts. Zu Hause werden öfters lockere, oft japanisch inspirierte Teekleider getragen. Anschliessend revolutioniert Paul Poiret  um 1905  die Damenmode  gänzlich, indem er orientalisch inspirierte, bis anhin unbekannte, gewagte Entwürfe präsentiert. „Konfuziusmantel“, Türkenhosen, auch als „Humpelrock“ bekannt, sowie Turbane und Kleider im hellenistisch inspirierten Stil ohne Korsett und mit hoher Taille,  entsprechend dem neuen Zeitgeist und der vorherrschenden Faszination für den  Orient.

Literatur:

Max von Böhen „Die Mode“

Miki Iwagami : „Fashion, Eine Modegeschichte vom 18 bis 20. Jh.

Periodische Einteilung der vorherrschenden Trends und Silhouetten

Um den Gästen der Belle Epoque-Woche die Entscheidung zu erleichtern, welchem Modetrend sie gerne folgen möchten,  haben wir in unserem Blog die Zeit in drei Perioden unterteilt:

Die Jahre 1870-1890 – der sog. Gründerzeit , Epoche, aus welcher der Belle Epoque Stil hervorgegangen ist  –  für alle, die auf das Korsett und eine  opulente  Turnüre  nicht verzichten wollen.

Mode 1870-1890, "Costume Cavalcade", H.H.Hansen

Die Jahre 1890-1905 – die Zeit der Jugendstil inspirierten S-Kurven Linie  – für alle, die die weibliche Kurven und geschwungene Silhouetten lieben und zur  Schau tragen. wollen – sei es im Schneiderkostüm auf der Strasse , einem Rock und Bluse beim Tee, oder einem Ballkleid – stets im strengen S- oder leichtem Ribbon Korsett

Mode 1890-1905, "Costume Cavalcade", H.H.Hansen

Die Jahre 1905-1914 – die Zeit von Paul Poiret , der Revolution der Mode und der Befreiung vom Korsett – für alle, die der Faszination für  den Orient,  erhöhter Taille und lockeren Kleidern  nicht widerstehen können.

Mode 1905-1915 "Costume Cavalcade", H.H.Hansen

Was immer Sie gerne wählen – tun Sie es bewusst, ihrer Vorliebe und Ihrer Figur entsprechend.   Wir beraten Sie gerne !

 Beata Sievi, Atelier „entre nous“, Winterthur

Copyright © Beata Sievi und http://www.belleepoquecouture.wordpress.com 2011

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~ von beatasievi - November 21, 2011.

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